„Norman, weißt du, was ziemlich cool ist? Wenn du bei ChatGPT einen falschen Prompt (Befehl) eingibst, kommt etwas Blödes dabei raus. Das ist ja wie beim Gesetz der Anziehung…“

Mein Freund Yves lacht, als er mir vor einigen Tagen diese Sprachnachricht schickt. Und recht hat er. Wenn ich bei Google oder ChatGPT eine blöde, ungenaue oder komplett falsch formulierte Frage eingebe, wird die Antwort dementsprechend ungenau sein. „Erstelle mir ein schönes Bild.“ Super Frage. Nur was ist für dich schön? „Ich möchte ein wundervolles Leben, liebes Universum.“ Schön, dass du das willst. Nur was ist für DICH ein schönes Leben?

Die Frage ist wahrlich eine gute. Was ist denn das Wichtigste für ein gutes Leben? Wann können wir am Ende unserer Laufzeit sagen, dass wir ein gutes Leben hatten? Da gibt es kein Richtig und kein Falsch. Spannend finde ich dazu jedoch eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2023. Im Jahr 1938 begann diese nämlich und hatte als Ziel, die Antwort auf die Frage zu finden: „Was ist wichtig, damit ein Mensch glücklich im Leben ist?“ Und eines der wichtigsten Dinge war der Umgang mit anderen Menschen. Oder anders gesagt: tiefgehende Freundschaften.

Nur allzu oft haben diese Freundschaften nicht die höchste Priorität. Denn zwischen 6,5 und 11 Stunden pro Tag sind wir auf dem Screen zu Hause. Fernseher. Handy. Laptop. Dagegen treffen sich nur etwa 18 % der Deutschen einmal die Woche für 30–90 Minuten mit ihren Besties, mit denen sie tiefgründige Gespräche führen. Wenn wir das nun gegeneinander aufrechnen und einen Zeitraum von 60 Jahren zugrunde legen, dann warst du 20 Jahre am Bildschirm – und nur 2,5 Jahre in echten Verbindungen. Bravo.

Tja, das ist … interessant. Nennen wir es einfach mal interessant. Viele Menschen in meinem Alter (zwischen 42 und 49) hinterfragen sich, ob die Energie, die sie in manche Dinge geben, noch die richtige ist. Manche nennen das „Midlife Crisis“. Ich würde eher sagen: Es ist die Erkenntnis, was ich nicht mehr will – und was ich stattdessen will. Denn die Jahre bis zum Lebensende werden weniger. Und daher gilt es für viele, endlich zu handeln, anstatt Dinge hinzunehmen, die einem nicht guttun. Und Andere haben das eben nicht gemacht und einfach mal weiter durchgezogen. Hauptsache die Kohle stimmt.

Die traurigsten Menschen im Herzen waren in der Studie Menschen in ihren 80ern, die ihr Leben lang Ruhm, Arbeit und Erfolg vor ihre sozialen Kontakte gestellt haben. Denn diese Menschen standen am Ende ihres Lebens sinnbildlich alleine da. Und dann hat ihnen das ganze Geld auch nichts mehr gebracht. Außer noch mehr falsche Freunde, die nur auf die Kohle und die Partys aus waren.

Zurück zu Yves’ Idee mit dem Prompt. Was wäre, wenn du statt der Frage „Was kann ich für mich aus der Sache rausholen?“ anfängst zu fragen: „Was kann ich für andere tun?“ Und im Idealfall für Menschen, die dir wirklich wichtig sind? Dann würde deine Zeit mit ihnen nach oben gehen, du würdest etwas Gutes tun und somit laut dem Gesetz der Anziehung auch etwas Gutes zurückbekommen. Wäre das eine interessante Idee für die kommenden Jahre? Denn Fakt ist: Dein und mein Leben ist endlich. Irgendwann ist es vorbei. Für jeden von uns. Und ob eine KI dann dein ganzes Wissen hat und weiter als Avatar von dir agiert, bringt deinem menschlichen Ich leider auch nichts mehr.

Mit welcher für dich wichtigen Frage möchtest du jetzt beim Universum genau das bestellen, was du dir im fortgeschrittenen Alter wünschst? Noch mehr neue Gadgets, Elektronikspielzeuge oder doch wieder mehr menschliche Begegnungen? Sei genau. Sei konkret. Und sei menschlich echt. Denn am Ende zählen nicht die Jahre vor dem Bildschirm, sondern die Momente mit deinen Besties.