Wenn der Kapitän des Flugzeugs persönlich in den Gang zur Durchsage kommt, ist es entweder wichtig – oder er weiß, wie eine gute Führungskraft agiert. Nicht von hinter der Tür, sondern sichtbar und ganz vorne.
„Guten Morgen, liebe Gäste. Der Flughafen hat aufgrund des aktuellen Eisregens entschieden, nur drei Maschinen pro Stunde starten und landen zu lassen. Wir haben gerade das Go gegeben, dass wir bereit wären, falls einer der anderen Flieger nicht rechtzeitig fertig wird.“
Ich bin sowas von entspannt. Warum? Weil für diese Reise bisher alles geklappt hat, was hätte klappen müssen, damit wir recht spontan zurück aufs Schiff kommen. Selbst der Taxifahrer, der in den kurdischen Bergen schon alles gefahren ist, hat uns zwei Stunden vorher sicher über die Eisschicht an den Flughafen gebracht.
Ich habe beste Laune, schreibe einige Notizen in mein Buch und weiß: Wir haben zwischen jetzt und dem Weiterflug nach Funchal auf Madeira 4,5 Stunden. Was interessiert mich also eine Stunde mehr oder weniger warten? Der Kapitän ist cool, hat die richtige Einstellung und wir haben den Schwung unseres Lebens. Alles ist gut.
Während Anke am Einschlafen ist und ich wild am Schreiben bin, meldet er sich wieder direkt vor uns zu Wort: „Wir haben nun eine Nachricht vom Flughafen bekommen, jedoch keine gute. Der Flughafen ist bis 10:00 Uhr geschlossen und unser Flug wurde gestrichen.“
Okay. Dann nehmen wir einfach einen anderen Flug von Berlin nach Frankfurt und sind trotzdem vor 11:45 Uhr am Start. Mietwagen und Bahn würden zeitlich nicht hinhauen, jedoch gibt es ja noch andere Flüge nach Frankfurt.
Tja. Nach dem Blick auf den Anzeigenbildschirm und der Info, dass bis 14:00 Uhr alle Flüge nach Frankfurt gestrichen sind, bliebe da nur ein Flug übrig: ein um 6:40 Uhr gepalnter Lufthansa-Flug, der nun auf 11:30 Uhr verschoben wurde. Und das hätte klappen können – wäre unser Anschlussflug ebenfalls verschoben worden. Was an diesem Tag jedoch nicht passiert ist.
Lange Geschichte, kurzer Sinn: Wir kamen nicht aus Berlin weg und haben somit das Schiff verpasst, das um 18:00 Uhr von Funchal in See gestochen ist. Der nette Versuch der Airline, uns drei Tage später nach Funchal zu fliegen, wurde von mir mit einem müden Lächeln entgegengenommen und dankend abgelehnt. Tja. Schöner Scheiß. Aber hey, einfach mal glücklich sein, richtig?
Denn wie sage ich immer: In jedem Schlechten muss etwas Gutes stecken (die blaue Brille).
Weißt du was? Wir haben das Gute bis heute noch nicht gefunden. Wann wissen wir den Grund? Keine Ahnung. Vielleicht niemals. Wichtig ist dabei nur eines: sich die Laune nicht komplett verhageln zu lassen. Traurig sein? Absolut okay.
Mal kurz fluchen? Auch gut. Den Kopf schütteln? Immer gut. Gegen den Mülleimer treten? Nur machen, wenn es dein Mülleimer ist. Nun wochenlang in eine Depression verfallen und jedem mit trauriger Mine und maximal negativen Gefühlen immer wieder die gleiche Geschichte erzählen? Nein. Mit Sicherheit nicht. Das wäre das Schlimmste, was du – oder in dieser Situation ich – tun könnte. Warum das so wichtig ist?
Lassen wir Esther Hicks darauf antworten. Sie hat das in einem Workshop sehr schön gesagt:
„Wir sind große Verfechter davon, so glücklich zu werden, wie man nur kann – denn das regelt letztlich alles andere. Selbst wenn du keinen Grund hast, glücklich zu sein: Erfinde einen. Stell es dir vor. Triff die Entscheidung, glücklich zu sein – so oder so, ganz gleich, was passiert.
‚Egal was ist, ich werde glücklich sein. Wenn ich dafür alle anderen ignorieren muss; wenn ich nie wieder fernsehe; wenn ich nie wieder eine Zeitung in die Hand nehme – ich werde glücklich sein. Wenn ich diese Person nie wieder sehen muss, werde ich glücklich sein. Und wenn ich diese Person sehen muss, werde ich etwas in ihrem Gesicht finden, das mich glücklich macht. Ich werde glücklich sein. Ich werde glücklich sein. Ich werde glücklich sein.‘“
Daher sind wir jetzt einfach mal glücklich und fokussieren uns auf das, was wir haben und wo wir sind. Denn die Situation ist nun einmal, wie sie ist. Daran ändert sich rein gar nichts. Nur meine Zukunft verändert sich – je nachdem, wo ich meine Energie platziere: in Freude und Hoffnung oder in Mangel und Zweifel.
Diese überaus wichtige Entscheidung triffst du jede Sekunde, immer wieder neu.
Wie entscheidest du dich?
