Der Autor Ian MacLaren sagte einmal: „Sei freundlich, denn jeder, dem du begegnest, kämpft einen Kampf, von dem du nichts weißt.“ Und darüber möchte ich gerne in dieser Woche mit dir sprechen. Oftmals regen wir uns über andere auf – ob an der Kasse, im Straßenverkehr oder auch im persönlichen Umfeld. „Hasch ghört, was der wieder gmacht hat? Des geht ja gar ned.“ wäre eine schwäbische Variante einer solchen Aufregung.

Fakt ist: Immer wenn du genervt bist oder dich über etwas oder jemanden aufregst, löst es etwas in dir aus.

Es wird quasi ein Schalter in dir angeknipst. Nur ist jetzt die spannende Frage: Ist daran der andere schuld oder kann er gar nichts für deinen Schalter? Denn der ist ja in dir. Und es ist DEIN Schalter, der da angeht.

Ja, ich weiß. Du hast jetzt sicher die beste Geschichte, warum andere doch an deinem Unmut schuld sein sollten. Nur schau: Dein Gegenüber mag der Auslöser sein, jedoch ist er nicht der Grund bzw. die Ursache für dein Gefühl.

Mein Freund und Kollege Carsten Risse sagte mir gestern nach meinem Vortrag hier im Theater der Mein Schiff 2: „Der Film am Ende deines Vortrags hat mich wieder voll mitgenommen. Der ältere Mann, der seinen Tod vortäuscht, damit die Familie zusammenkommt, was vorher unmöglich war.“ Und warum hat der Film Carsten so mitgenommen? Weil ihm Familie super wichtig ist. 

Ich sehe in meinen Vorträgen immer unterschiedliche Reaktionen auf meine Geschichten und Videos. Manche Zuschauer weinen Rotz und Wasser. Andere gar nicht. Genau das liegt an deinen inneren Schaltern. Wenn du nie gemobbt wurdest, spricht dich der kurze Film über eine Frau, die ihr Leben lang gemobbt wurde und jetzt in einer Casting-Show alle umhaut, eher nicht an. Wenn du ihre Situation jedoch kennst und dir wünschst, dass dich auch endlich mal jemand sieht, dann siehst du vor lauter Tränen die Leinwand nicht mehr.

Erkennst du, dass das alles nichts mit dem Inhalt des Films, den Aussagen von anderen oder den Situationen in der Welt zu tun hat, wann und wie du darauf reagierst? Es hat alles „nur“ mit deiner eigenen Erfahrung und Geschichte zu tun.

Wenn dem also so ist, wäre es dann eine Idee, andere Menschen nicht für die eigene Gefühlsmisere verantwortlich zu machen, sondern zu realisieren, dass sie sich einfach so verhalten haben, wie sie sich eben verhalten haben? Sie haben in dem Moment etwas für sich gemacht und nicht gegen dich. Denn meistens wissen die anderen doch gar nicht, welche Schalter du in dir hast und wann welcher durch was angetriggert wird. Nur wie schaffst du es, da öfters drüber zu stehen anstatt emotional wieder voll in die Falle zu gehen?

Denke in den „interessanten“ Situation an die Aussage von Ian MacLaren: „Sei freundlich, denn jeder, dem du begegnest, kämpft einen Kampf, von dem du nichts weißt.“

Gehe einfach mal davon aus, dass jeder Mensch sein(e) Päckchen zu tragen hat, die du oftmals gar nicht kennst. Und jeder reagiert mal über, weil der Druck auf der Arbeit, zu Hause oder irgendwo dazwischen zu groß ist. Dummerweise kommst dann gerade du um die Ecke. Und schon wirst du angezickt, angehupt oder beleidigt. Mel Robbins würde sagen: „Lass sie“.  

Einfach lächeln, dem anderen das Allerbeste wünschen (und sei es nur in Gedanken) und weitergehen. Denn vielleicht ist der andere einfach am Rande seines Nervenkostüms. Lass uns wieder mehr Verständnis zeigen, anstatt nur schwarz oder weiß zu denken. Die Welt ist bunt und fröhlich … wenn wir alle sie so einfärben.