„Was fasziniert dich denn so an den Delfinen?“ fragt mich eine liebe Teilnehmerin unseres aktuellen Delfin-Retreats auf dem Roten Meer in Ägypten. Während wir die grauen Säugetiere vom Schiff aus beobachten, machen wir uns bereit zu ihnen ins Wasser zu gehen, um gemeinsam eine Runde zu spielen. Ich überlege kurz. „Ich sage es dir gerne, sobald wir zurück aus dem Wasser sind.“ Denn die Wahrheit ist: Es ist gar nicht so leicht zu beschreiben.

Weißt du, es gibt eine alte Legende der Chumash-Ureinwohner. Sie erzählt, dass Menschen einst aus Spielfreude von einer Regenbogenbrücke ins Meer fielen und von der Göttin Hutash in Delfine verwandelt wurden. Vielleicht ist das der Grund, warum Delfine bis heute so wirken, als würden sie lächeln. Ich jedenfalls habe noch nie einen schlecht gelaunten Delfin getroffen.

Manche Delfine ziehen einfach vorbei. Besonders dann, wenn sie in größeren Gruppen unterwegs sind. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass etwas mit ihnen oder mit mir nicht stimmt. Sie haben in diesem Moment einfach ein anderes Ziel. Einfach ein Ziel für sich selbst und nicht gegen mich. Eigentlich fast wie im normalen Leben.

Wie oft interpretieren wir etwas in das Verhalten anderer Menschen hinein? Jemand grüßt nicht. Jemand schreibt nicht zurück. Jemand reagiert anders, als wir es uns wünschen.

Und sofort machen wir daraus eine blöde Geschichte.

Der Delfin macht das nicht. Er macht einfach das, was sich für ihn in diesem Moment richtig anfühlt. Vielleicht ist das schon die erste Lektion. Leben darf leicht sein. Und genau deshalb liebe ich diese Tiere so sehr.

Vor einigen Jahren durfte ich etwas erleben, das ich bis heute nur schwer in Worte fassen kann. Ein Delfin, den wir seit vielen Jahren immer wieder treffen, lud mich damals gefühlt in seine Familie ein. Mama. Papa. Und Kind. Sie machten nahe unseres Bootes ihr Tagesschläfchen. Wir waren deshalb immer wieder im Wasser und begleiteten sie ein Stück.

Zwischendurch waren wir an Bord, haben gegessen und uns ausgeruht. Doch irgendetwas zog mich immer wieder zurück ins Wasser. Nachdem ich bis dahin fast jede Bewegung der Drei gefilmt hatte, machte ich irgendwann ich die Kamera aus. Weißt du, was ich in diesem Moment dachte: „Ich würde jetzt gerne nur mit euch schwimmen.“

Und dann geschah etwas Wunderschönes. Als wären meine Gedanken umgehend angekommen. Zuerst schwamm ich neben den Dreien her. Dann passten sie ihr Tempo meinem an. Und irgendwann war ich mittendrin statt nur dabei. Mama. Kind. Ich. Und der Papa. In dieser Reihenfolge zogen wir unsere Bahnen.

Still. Friedlich. Anmutig. Gemeinsam.

Ich kann dir nicht erklären, warum mich dieser Moment so berührt hat. Was ich weiss, dass mir irgendwann Tränen über die Wangen liefen, als ich aufgrund unserer Rückreise wieder aus dem Wasser musste. Nicht aus Traurigkeit. Sondern weil alles so vollkommen war. Für einen kurzen Augenblick gab es nichts zu erreichen. Nichts zu beweisen. Nichts zu optimieren. Da war einfach nur Leben. Der Moment. Das Sein. Das Jetzt.

Als wir nach sechs Tagen auf See zurück Richtung Hafen fuhren, begleiteten uns die Drei noch eine ganze Weile. Der Kleine sprang immer wieder neben dem Boot aus dem Wasser. Fast so, als würde er sich verabschieden wollen. Und weißt du, was das Verrückte ist? Anfang dieser Woche haben wir die Familie wieder getroffen. Erst den Papa. Und der holte dann irgendwann die anderen dazu. Diesmal mit einem neuen Familienmitglied. Mama schwamm neben dem inzwischen fast erwachsenen Kind. Und dann war da noch ein Baby-Delfin. Ich lächelte. Denn irgendwie fühlte es sich an wie ein Wiedersehen mit alten Freunden, die stolz ihren Familienzuwachs präsentieren.

Was habe ich in dieser Woche gelernt? Vielleicht besteht ein erfülltes Leben gar nicht daraus, möglichst viel zu besitzen, zu erreichen oder zu kontrollieren. Wahrscheinlich besteht es aus Momenten. Momenten, in denen du völlig vergisst, wer du sein solltest. Momenten, in denen du einfach nur bist. Voller Freude. Voller Staunen. Voller Leben. Genau deshalb liebe ich diese Tiere so sehr. Sie erinnern mich jedes Mal daran...Leben darf Spaß machen. Und zwar so oft wie möglich.

Denn die Schönheit der Natur, der Menschen und unseres gesamten Seins ist viel zu kostbar, um sie ständig für Stress, Sorgen und Funktionieren einzutauschen und darauf zu hoffen, dass es irgendwann mal besser wird. Vielleicht ist genau das das Geheimnis der Delfine. Sie erinnern uns daran, wie leicht Leben eigentlich sein kann. Zumindest erinnern sie mich daran, das Leben so zu nehmen, wie es jetzt gerade ist und dabei immer zu lächeln. 

Ganz liebe Grüße vom roten Meer und lächle diese Woche doch einfach mal ein wenig mehr. Nicht für die anderen, sondern nur für dich.