Wann hattest du das letzte Mal Streit mit jemandem? Und magst du wissen, wie du ab sofort die meisten Streits vermeiden kannst? Denn das ist eigentlich ganz einfach, wenn du weißt, wo die Lösung liegt, damit der Streit erst gar nicht entsteht.
Vor einigen Tagen traf ich mich mit einem lieben Freund. „Ach Gott, was hatten meine Frau und ich vor ein paar Wochen Stress.“ Ich höre gespannt zu. „Meine Frau hat ein neues Business angefangen und dazu gab es einen Artikel in der Tageszeitung. Ihren ersten überhaupt. An dem Erscheinungstag waren wir jedoch 30 km von zuhause entfernt und der Artikel war nur in unserer regionalen Ausgabe. Aber hey, als Mann von Welt habe ich natürlich alles direkt organisiert. Insgesamt drei Freunde und Familienmitglieder würden an diesem Tag die Zeitung kaufen. Eigentlich war das Problem damit gelöst.“
Ich nicke, grinse und sage: „Eigentlich?“ „Ja, eigentlich. Denn meine Frau hat nun einen Zwergenaufstand gemacht, dass wir gefälligst zu einer Tankstelle fahren sollen und die Zeitung selbst kaufen. Ich sagte: ‚Aber Schatz, drei Leute kaufen die Zeitung doch schon. Ich habe für alles gesorgt. Und ich fahre jetzt sicher keine 30 km, um eine Zeitung zu kaufen, die wir morgen dreimal haben werden.‘ Tja, danach war Funkstille und die Kacke am Dampfen.“
Ich muss lachen. Denn kennen wir solch eine Situation nicht alle? Und jetzt die spannende Frage: Worum ging es bei diesem Streit wirklich? Um die Zeitung? Oder um etwas ganz anderes? Von außen betrachtet sehen wir die Dinge oft durch eine andere Brille. Schauen wir uns das einmal an.
Wenn es um die Zeitung an sich gegangen wäre, wäre es nicht zum Streit gekommen. Schließlich wurde die Zeitung bereits von drei Menschen gekauft. Ging es darum, dass sie die Zeitung selbst kaufen wollte? Nein. Auch darum ging es nicht. Und genau da liegt der Knackpunkt. Oft formulieren wir etwas, das nur Mittel zum Zweck ist. Dadurch versteht der andere nicht, was wir wirklich wollen. Oftmals, weil wir es selbst auch gar nicht richtig in Worte fassen können. Es ging nie darum, die Zeitung irgendwann zu besitzen. Auch nicht darum, sie selbst zu kaufen. Um was ging es ihr denn nun wirklich? Hast du eine Idee?
Ja, ganz genau. Es ging darum, dass sie mit der aufgeschlagenen Zeitung in der Tankstelle steht, strahlt wie die hellste Sonne und im Idealfall ihr Mann ihr über die Schulter schaut und so etwas sagt wie: „Schatz, ich bin so stolz auf dich.“ Dann drückt er sie ganz fest und behandelt sie für den Rest des Tages so, als wäre sie die wichtigste und bekannteste Person dieser Welt. Es ging also nie um die Zeitung. Es ging um das, was die Zeitung ausgelöst hätte. Es ging darum, gesehen zu werden. Gehört zu werden. Respektiert zu werden. Und zwar heute. Nicht morgen. Heute. Jetzt. Weißt du, was das Spannende daran ist?
Die meisten Menschen streiten nicht über die Zeitung, das Geschirr oder die verspätete Nachricht. Sie streiten über das Gefühl dahinter. Über das Gefühl, nicht gesehen zu werden.
Nicht gehört zu werden. Nicht wichtig zu sein. Oder einfach, weil der Andere jetzt spüren möchte: „Du bist mir wichtig.“ Und genau deshalb lösen viele Diskussionen die eigentliche Herausforderung nicht. Weil beide nämlich über die Zeitung sprechen, obwohl es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes geht.
Finde deshalb heraus, was dein Gegenüber in diesem Moment wirklich möchte. Nicht das, was er sagt. Sondern das, was dahinterliegt. Wenn es also in Zukunft mal wieder anfängt, in einem Gespräch zu krachen, frage dich: „Was will dieser Mensch wirklich?“ Nicht: „Was sagt er gerade?“ Sondern: „Was steckt dahinter?“
Dazu drei Tipps:
- Frage konkret nach: „Was möchtest du wirklich haben?“ Es kann sein, dass dein Gegenüber das selbst noch nicht in Worte fassen kann und weiterhin über die Zeitung spricht.
- Wenn das passiert, steige sinnbildlich in die Schuhe deines Gegenübers und frage dich: „Wenn ich dieser Mensch wäre und das wollen würde, was mein Gegenüber möchte – warum wäre mir das so wichtig?“ Oft kommst du dadurch bereits auf die Antwort.
- Und wenn du trotzdem zu keiner Antwort kommst, dann mach einfach einmal das, was dein Gegenüber sich wünscht. Auch wenn es für dich in diesem Moment keinen Sinn ergibt. Warum? Weil du dann live und in Farbe erleben wirst, worum es dem anderen wirklich geht. Denn was dieser Mensch tatsächlich wollte, erkennst du meistens genau in dem Moment, in dem er es bekommt. Was passiert beispielsweise, sobald sie die Zeitung in den Händen hält?
Mit Sicherheit wird sie die nicht ungelesen auf den Rücksitz legen. Beobachte genau, was passiert. Und dann mach einfach mit bei dem, was du glaubst, dass sich dieser Mensch in diesem Moment wünscht. Möchte er gesehen werden? Gehört werden? Respektiert werden?
Wie gesagt: Von außen betrachtet ist das oft leichter, als wenn du selbst gerade gestresst bist. Denn sobald dich etwas nervt und du denkst, dass du im Recht und der andere im Unrecht ist, befindest du dich im Kampf-oder-Flucht-Modus. Und dort geht es nur noch um: „Ich habe Recht.“ Oder ums Weglaufen. Dein Feingefühl, deine Empathie und oftmals sogar deine Logik stehen dir in diesem Moment nur eingeschränkt zur Verfügung. Geh deshalb kurz aus der Situation heraus. Atme durch. Und dann versuche es noch einmal.
Vielleicht fragst du dich beim nächsten Streit einfach: „Worum geht es hier wirklich?“ Denn oft liegt genau dort die Lösung.
Viel Spaß beim Ausprobieren.
Den ganzen Artikel kannst du auch in meinem Stars Backstage Podcast anhören oder anschauen:
