Vor einigen Tagen schickte mir eine liebe Freundin ein Foto einer Werbewand. Darauf stand:

„Eine Flasche Wasser kann im Supermarkt 1 Euro, im Fitnessstudio 3 Euro, im Kino 5 Euro und im Flugzeug 6 Euro kosten. Dasselbe Wasser. Das Einzige, was seinen Wert verändert hat, war der Ort. Wenn du das nächste Mal denkst, du bist nichts wert, dann bist du vielleicht einfach am falschen Ort.“ Ich schmunzle und nicke mit dem Kopf. „Wie wahr. Wie wahr.“

Und gleichzeitig haben mich diese Zeilen ziemlich nachdenklich gemacht. Denn Hand aufs Herz: Wie oft zweifeln wir an uns selbst? Und das schon bei den kleinsten Kleinigkeiten. Du schickst jemandem eine WhatsApp und es kommt keine Antwort. Was macht dein Gehirn daraus? Das ganz große Kino. „Bin ich nicht gut genug? Nicht liebenswert genug? Nicht klug genug? Nicht erfolgreich genug? Nicht schön genug? Nicht interessant genug?“

Möglicherweise liegt die Antwort heute ausnahmsweise einmal gar nicht in dir. Sondern mehr in deinem Umfeld. Denn eine Flasche Wasser wird schließlich nicht wertvoller, weil sie sich verändert. Sondern weil sich ihr Umfeld verändert. Vielleicht ist das bei uns Menschen genauso.

Kennst du das Gefühl, irgendwo zu sein und trotzdem nie richtig dazuzugehören? Oder – wie ich es aus meinem eigenen Leben kenne – das Gefühl, geduldet zu sein, jedoch nicht wirklich gewollt? Und du gibst dir doch solche Mühe. Und du strengst dich an. Zudem möchtest du alles richtig machen. Und trotzdem hast du das Gefühl, nie wirklich gesehen zu werden.

Es gibt jedoch auch das Gegenteil.  Du betrittst einen Raum. Und plötzlich fühlst du dich angekommen. Du wirst gesehen. Menschen hören dir zu. Sie interessieren sich für dich. Du kannst einfach du selbst sein. Und auf einmal kommt etwas in dir zum Vorschein, von dem du vorher gar nicht wusstest, dass es in dir steckt. Nicht weil du plötzlich ein anderer Mensch geworden bist. Sondern weil du am für dich richtigen Ort bist.

Weißt du, was ich in den letzten Jahren immer wieder beobachten durfte? Die glücklichsten Menschen sind oft gar nicht diejenigen, die am meisten besitzen. Sondern diejenigen, die spüren, dass sie für andere einen Unterschied machen. Für ihre Familie. Für ihre Freunde. Für ihre Kollegen. Für ihre Kunden. Oder manchmal einfach nur für einen einzigen Menschen, den sie vielleicht auch gar nicht seit langer Zeit kennen.

Früher war mir wichtig, dass der Raum möglichst voll ist, wenn ich auf eine Bühne gehe. Ach, was habe ich mich über diejenigen aufgeregt, die nicht gekommen sind, obwohl sie den Vortrag doch „so dringend gebraucht hätten“. Als würde mir zustehen zu beurteilen, wer was braucht. Heute freue ich mich über jeden einzelnen Menschen, der da ist und etwas in seinem Leben verändern möchte.

Interessanterweise zeigen psychologische Studien genau in diese Richtung: Menschen erleben ihr Leben besonders dann als sinnvoll, wenn sie das Gefühl haben, für andere wichtig zu sein und einen Unterschied zu machen. Vielleicht suchen deshalb so viele Menschen am falschen Ort. Nämlich nach mehr Geld. Mehr Erfolg. Mehr Anerkennung. Mehr Status. Mehr Klicks. Mehr Likes. In der Hoffnung, dadurch endlich gesehen, gehört oder respektiert zu werden.

Nur weißt du, was ich gelernt habe? Vergleiche nie dein inneres mit dem äußeren von anderen Menschen. Andere bewundern oft das, was du hast. Wirklich verbunden fühlen sie sich jedoch mit dem, was du bist. Und genau danach sehnen wir uns doch alle. Nicht wahr? Nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Nach dem Gefühl, dazuzugehören. Nach dem Gefühl, dass unser Leben für jemanden einen Unterschied macht.

Am Anfang meiner Redner Karriere habe ich fast jeden meiner Vorträge mit einem Zitat von Ralph Waldo Emerson beendet. Das kannte ich damals sogar auswendig. Bis heute gehört es für mich zu den schönsten Definitionen von Erfolg, die ich kenne.

Erfolg bedeutet:

Oft und viel zu lachen.

Die Achtung intelligenter Menschen und die Zuneigung von Kindern gewinnen.

Die Anerkennung aufrichtiger Kritiker verdienen und den Verrat falscher Freunde ertragen.

Schönheit bewundern.

In anderen das Beste finden.

Die Welt ein wenig besser verlassen – ob durch ein gesundes Kind, ein Stückchen Garten oder einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft.

Wissen, dass wenigstens das Leben eines anderen Menschen leichter war, weil du gelebt hast.

Das bedeutet, nicht umsonst gelebt zu haben.

Vielleicht beginnt genau dort der eigentliche Sinn des Lebens. Nicht erst, wenn du alles erreicht hast. Sondern in dem Moment, in dem du bemerkst, dass dein Dasein das Leben eines anderen Menschen ein kleines bisschen heller gemacht hat. Vielleicht durch ein ehrliches Kompliment. Ein offenes Ohr. Eine Umarmung. Eine Nachricht. Oder einfach dadurch, dass du da bist und jemanden ehrlich in die Augen schaust und ihn siehst.

Wäre es möglich, dass du gut genug bist – genauso, wie du heute bist? Vielleicht musst du dich gar nicht viel verändern. Finde einfach einen Ort, an dem du strahlen und weiterwachsen kannst. Den Ort, an dem deine Stärken gesehen werden. Den Ort, an dem du andere wachsen lässt. Und vielleicht fragst du dich gerade: „Wo finde ich denn so einen Ort?“

Weißt du, genau aus diesem Wunsch heraus sind vor einigen Jahren die Karibik Rebellen und der heutige SLB-Club entstanden. Nicht als Plattform für meine Kurse. Nicht als Onlineprogramm. Sondern als ein Ort, an denen Menschen sich außerhalb der persönlichen Begegnungen gegenseitig ermutigen, wachsen lassen und sich daran erinnern, wie viel bereits in ihnen steckt.

Vielleicht braucht es manchmal gar kein neues Leben. Sondern einfach nur das richtige Umfeld. Denn am Ende geht es nicht darum, einen höheren Preis zu haben. Sondern darum, dort zu sein, wo dein wahrer Wert erkannt wird. Möglicherweise ist deshalb eine sinnlose Frage: „Was bin ich wert?“ Besser wäre doch: „Bin ich am richtigen Ort, damit mein Wert überhaupt sichtbar werden kann?“

Ich glaube, dass du viel wertvoller bist, als du manchmal selbst glaubst. Vielleicht bist du einfach nur am falschen Ort. Finde den Ort, an dem du wachsen darfst, kannst und willst. Diesen Ort wünsche ich dir von ganzem Herzen.

Den ganzen Artikel kannst du auch in meinem Stars Backstage Podcast anhören oder anschauen:

Spotify
YouTube