Jeden Montag spreche ich bei unseren Karibik Rebellen mit Unternehmern. Menschen, die Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen und jeden Tag versuchen, ihren Laden am Laufen zu halten. Und manchmal denke ich nach diesen Gesprächen: Meine Güte, was da gerade alles gleichzeitig auf dem Tisch liegt.

Mitarbeiter fallen krankheitsbedingt aus. Die Anforderungen steigen. Kunden verschieben Aufträge, haben plötzlich kein Budget mehr oder wollen für dieselbe Leistung deutlich weniger bezahlen. Gleichzeitig werden die eigenen Kosten höher. Was gestern noch eine vernünftige Entscheidung war, muss heute vielleicht schon wieder überdacht werden.

Und mittendrin sitzt ein Unternehmer, der am Montagmorgen vor seiner Mannschaft steht und Orientierung geben soll. Was sagt man da? „Leute, ich habe auch keine Ahnung, was nächste Woche wieder passiert. Aber einen schönen Montag euch allen!“? Wäre zumindest ehrlich. Vermutlich aber nicht ganz das, was sich die Mannschaft erhofft. 😉

Also macht er weiter. Führt Gespräche, rechnet, plant, sucht Lösungen. Und wenn abends endlich eine Baustelle geschlossen ist, stehen morgens schon die nächsten drei vor der Tür.

Manchmal frage ich mich, wann diese Menschen eigentlich noch dazu kommen, sich über das zu freuen, was sie bereits geschafft haben.

Denn bei all den Gesprächen höre ich auch etwas anderes: Viele dieser Unternehmer haben großartige Menschen an Bord. Mitarbeiter, die mitdenken, einspringen und jeden Tag ihr Bestes geben. Und trotzdem spüren sie, dass die Energie langsam nachlässt. Was mich dabei besonders beschäftigt, ist etwas, das in keinem Geschäftsbericht auftaucht.

Das Miteinander verändert sich.

Aus langjährigen Kundenbeziehungen werden plötzlich Preisverhandlungen. Aus einem gemeinsamen „Wie kriegen wir das hin?“ wird immer häufiger die Frage, wer die zusätzlichen Kosten tragen muss.

Und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir vor lauter Zahlen vergessen, dass auf beiden Seiten Menschen sitzen, die gerade versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Natürlich muss ein Unternehmer rechnen. Natürlich braucht er eine vernünftige Strategie. Und manchmal sind schwierige Entscheidungen unvermeidbar.

Aber vielleicht lohnt es sich gerade jetzt, noch einmal auf die Menschen zu schauen, mit denen wir all das bewältigen wollen. Auf den Mitarbeiter, der seit Wochen für andere einspringt. Auf die Führungskraft, die selbst nicht weiß, wie sie den nächsten Dienstplan besetzen soll. Und auf den Kunden, der vielleicht genauso wenig Planungssicherheit hat wie wir.

Nicht, um alle Probleme schönzureden. Sondern um bei all den Herausforderungen nicht auch noch das zu verlieren, was ein Unternehmen überhaupt erst zu einer Mannschaft macht.

Das Vertrauen ineinander.

LOOK AGAIN. Schau noch einmal hin.