Diesen Satz habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder gehört. Und ich glaube, dass gerade viele Menschen so denken. Vor ein paar Tagen habe ich hier über Unternehmer geschrieben, die versuchen, ihren Betrieb durch schwierige Zeiten zu führen. Über steigende Kosten, zurückhaltende Kunden und die Frage, wie man seiner Mannschaft Orientierung gibt, wenn man selbst nicht weiß, was morgen kommt. Heute möchte ich einmal auf die andere Seite des Schreibtisches schauen.
Da sitzt ein Mitarbeiter, der seinen Job gerne macht. Der seine Kollegen mag und stolz darauf ist, wenn ein Kunde zufrieden ist. Doch seit Wochen fehlt ein Kollege. Erst sollte es nur eine kurze Krankschreibung sein. Inzwischen weiß niemand mehr genau, wann er zurückkommt. Also übernimmt er ein paar Aufgaben zusätzlich. Kein Problem. Macht man doch gerne. Schließlich würde der Kollege das Gleiche für ihn tun. Dann wird ein Auftrag verschoben. Ein anderer Kunde möchte plötzlich einen günstigeren Preis, aber bitte weiterhin denselben Service. Und weil gerade alle ziemlich eingespannt sind, bleibt wieder etwas liegen.
Natürlich springt er ein. Bis irgendwann jemand sagt: „Könntest du das vielleicht auch noch schnell übernehmen?“ Und er antwortet: „Ja, klar.“ Obwohl er eigentlich Nein sagen möchte. Nicht weil er keine Lust hat. Sondern weil sein Tag auch nur 24 Stunden hat. Und er langsam nicht mehr weiß, wie er das alles schaffen soll. Das Verrückte daran ist, dass er sich vielleicht sogar schlecht fühlt, weil er nicht mehr so viel schafft wie früher.
Dabei leistet er längst mehr, als ursprünglich von ihm erwartet wurde. Und während sein Chef sich fragt, wie er seine Mannschaft wieder motivieren kann, sitzt dieser Mitarbeiter am Schreibtisch und denkt: „Ich bin doch motiviert. Ich kann einfach nicht noch mehr.“ Vielleicht liegt genau hier eines der Missverständnisse, die in Unternehmen gerade entstehen. Wir sprechen darüber, wie wir Menschen zu mehr Leistung bewegen können, obwohl manche längst alles geben.
Und wir übersehen dabei manchmal diejenigen, auf die wir uns am meisten verlassen. Natürlich braucht ein Unternehmen Menschen, die Verantwortung übernehmen und auch in schwierigen Zeiten mitdenken. Aber Verantwortung bedeutet nicht, dass man alles allein tragen muss. Manchmal beginnt sie auch damit, ehrlich zu sagen: „Ich schaffe das gerade nicht mehr in der Qualität, die ich selbst von meiner Arbeit erwarte. Können wir gemeinsam schauen, was jetzt wirklich wichtig ist?“
Und vielleicht beginnt gute Führung auf der anderen Seite damit, nicht erst dann hinzuschauen, wenn jemand ausfällt. Denn die Menschen, die am längsten durchhalten, sind nicht automatisch diejenigen, denen es am besten geht.
LOOK AGAIN. Schau noch einmal hin.
