Während ich so meine sieben Sachen für unsere nächste Reise auf der Mein Schiff 2 von Hamburg nach New York zusammenpacke, fällt mein Blick auf einen Umschlag voller Dollarscheine. Was mir sofort auffällt: Sie sehen sich verblüffend ähnlich. Der 1-Dollar-Schein ist genauso groß wie der 10-, der 50- oder der 100-Dollar-Schein. Dasselbe Papier. Dieselbe Farbe. Dasselbe Gewicht. Auf den ersten Blick unterscheidet sie eigentlich nur eine Zahl. Und plötzlich schießt mir eine Frage durch den Kopf: Wer hat eigentlich entschieden, dass 100 Dollar mehr wert sind als 1 Dollar? 

Wie ich darauf kommen? Schau, es ist dasselbe Papier. Dieselbe Tinte. Dieselben Maße. Warum finden wir George Washington auf dem 1-Dollar-Schein weniger attraktiv als Benjamin Franklin auf dem 100-Dollar-Schein? Warum glauben wir, dass es viel leichter ist, irgendwo einen 1-Dollar-Schein zu finden als einen 100-Dollar-Schein? Ergibt das Sinn? Vielleicht denkst du jetzt: „Norman, natürlich ergibt das Sinn. Der eine ist eben 1 Dollar wert und der andere 100.“

Sagt wer? 

„Na ja... die Regierung. Die Bank. Jeder weiß das doch.“ Genau. Jeder sagt es. Doch wenn du dir die Scheine anschaust, ist der 100-Dollar-Schein kein Gramm schwerer, kein Millimeter größer und kein bisschen hochwertiger als der 1-Dollar-Schein. Der Unterschied entsteht also woanders. Nämlich in der Bedeutung, die wir ihm geben. Oder genauer gesagt: Durch die Bedeutung, die wir irgendwann von irgendwem übernommen haben.

Da kam vor vielen Monden ein Mensch in dein Leben und sagte: „100 Dollar sind schwerer zu bekommen als 1 Dollar.“ Seitdem laufen wir durch die Welt, als wäre das ein Naturgesetz. Nicht, weil wir es selbst überprüft hätten. Sondern weil wir es glauben.

Während ich den Umschlag wieder zuklappe, kommen mir unsere Gespräche bei den Karibik Rebellen der letzten Wochen ins Gedächtnis. Immer wieder landeten wir bei derselben Frage: Welches Bild hast du eigentlich von dir selbst? Und falls du gerade denkst, dass es doch heute um Geld geht – nein. Geld ist nur das Beispiel. Du kannst stattdessen Gesundheit einsetzen. Beziehungen. Beruf. Erfolg. Selbstvertrauen. Es geht immer um dieselbe Frage:

Welches Bild trägst du in dir?

Vielleicht kennst du solche Sätze: Geld verdirbt den Charakter. Geld macht arrogant. Geld stinkt. Wenn solche Glaubenssätze oder Überzeugungen tief in dir verankert sind und du gleichzeitig ein Mensch sein möchtest, der herzlich, bescheiden und liebevoll ist, entsteht in dir ein Widerspruch. Dann passt das Bild von Wohlstand nicht mehr zu dem Bild, das du von dir selbst hast. Und genau das erleben wir in ganz vielen Bereichen unsers Lebens.

Solange jemand tief in sich glaubt, nicht liebenswert zu sein, wird er immer wieder Menschen begegnen, die genau dieses Bild bestätigen. Nicht weil es wahr ist. Sondern weil unser Inneres ständig versucht, das Bild, das wir von uns tragen, mit dem Außen in Einklang zu bringen. Oder anders gesagt: Die Form passt immer zur Schablone. Das Plätzchen sieht immer so aus wie das Ausstecherle (keine Ahnung, wie das auf Hochdeutsch heisst).

Was wäre, wenn Wohlstand also gar nicht auf dem Konto beginnt. Und Lebensfreude gar nicht erst in der Beziehung. Vielleicht beginnt ja alles mit einer einzigen Entscheidung: Welche Bedeutung gebe ich den Dingen ab sofort? Welche Bedeutung gebe ich Geld? Gesundheit? Liebe? Erfolg?

Und vielleicht die wichtigste Frage überhaupt: Welche Bedeutung gebe ich mir selbst? 

Stell dir einmal vor, du würdest einen 100-Dollar-Schein genauso selbstverständlich betrachten wie einen 1-Dollar-Schein. Nicht ehrfürchtig und auch nicht ängstlich. Statt: „Den bekomme ich sowieso nie“ eher „es ist einfach nur als einen weiteren Dollarschein“. Was würde das mit deinem Gefühl machen? Was würde sich verändern, wenn du dieselbe Gelassenheit plötzlich auf deine Wünsche übertragen würdest?

Natürlich passiert das selten über Nacht. Denn für eine Veränderung darfst du anderes Wissen haben, welches du dann durch das darüber nachdenken in andere Handlungen umwandeln darfst. Und mit Sicherheit weißt du ganz tief in dir, was du gerne haben möchtest oder wer du gerne sein magst. Die Herausforderung ist nur, dass alles im hektischen Alltag hochzuhalten und daran zu arbeiten.

Genau deshalb treffen wir uns jeden Montagabend bei den Karibik Rebellen. Nicht, weil wir uns gegenseitig erklären, wie das Leben funktioniert. Sondern weil wir uns Woche für Woche daran erinnern, wer wir eigentlich sind.

Eine Rebellin hat es vor Kurzem wunderschön auf den Punkt gebracht:

"Ohne den Montagabend würde ich wahrscheinlich wieder völlig im Alltag versacken. Mein Fokus würde sich wieder auf all die ganzen unwichtigen Dinge richten. Der Montag erinnert mich jede Woche daran, wie ich wirklich leben möchte." 

Weißt du, vielleicht ist genau das die eigentliche Frage dieser Woche. Nicht: Warum ist der 100-Dollar-Schein mehr wert? Sondern: Wer hat eigentlich entschieden, dass du weniger wert bist, weil andere ein leicht anderes äußeres haben?

Und mit dieser Frage möchte ich dich in die schöne neue Woche schicken: Möchtest du diese Geschichte über dich auch noch morgen glauben? 

Wenn nicht, darfst du etwas verändern.