„Unkraut vergeht nicht“, sagt man gerne in Schwaben. Ich mag „Gute Ware hält sich“ jedoch viel mehr. Egal wie rum: Uns hat’s voll erwischt. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal mehrere Tage komplett flachgelegen habe. Das gibt es in meiner Welt nicht. Warum also ausgerechnet jetzt?

Denn die letzten 30 Tage waren grandios. Ich würde sogar sagen, dass es eine der schönsten Kreuzfahrten war, die wir jemals hatten. Und gleichzeitig war sie intensiv. Wir haben unglaublich viel erlebt, viele Menschen getroffen, Vorträge und Workshops gegeben, Gespräche geführt, gelacht, Leben bereichert und waren eigentlich ständig in Bewegung. Genau das, was ich liebe. Wie passend eines der letzten Bilder dieser Reise einmal sein würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nach meinem zweiten Vortrag auf der Brücke hatten wir dem Brückenteam eine riesige KitKat-Packung mitgebracht. Darauf stand ausgerechnet „Big Big Big Break“. Ein paar Tage später hat mein Körper offenbar beschlossen, diesen Hinweis selbst ernst zu nehmen. Und ich war während der gesamten Reise topfit. Bis mein Körper irgendwann offenbar eine andere Idee hatte. 

Ich bin kein Arzt und möchte dir hier auch keine medizinische Erklärung dafür liefern, warum Anke und ich jetzt krank geworden sind. Vielleicht war es einfach Pech. Vielleicht haben mehrere Dinge zusammengespielt. Aber während ich so dalag und außer Schlafen nicht besonders viel zustande brachte, habe ich über etwas Wichtiges nachgedacht: Wie gut bin ich eigentlich darin, Energie zu geben und wie gut bin ich darin, sie wieder aufzufüllen?

Denn Stress, dauerhafte Anspannung und fehlende Erholung gehen selten spurlos an unserem Körper vorbei. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Mensch krank wird, wenn er viel leistet. Und genauso wenig bedeutet eine Erkrankung automatisch, dass jemand vorher „zu viel Stress“ hatte. Nur bei mir selbst darf ich schon einmal hinschauen. Und da lautet die Antwort ziemlich eindeutig: Ich habe in diesen Wochen wahnsinnig gerne sehr viel gegeben.

Vielleicht kennst du das selbst. Wenn dir etwas Freude macht, merkst du manchmal gar nicht, dass dein Akku langsam leerer wird. Alles funktioniert. Du hast Spaß. Du bist begeistert. Also machst du weiter. Das Spannende dabei ist: Ein leerer Akku fühlt sich nicht immer sofort wie ein leerer Akku an. Und manchmal merkst du es erst, wenn plötzlich nichts mehr geht. Und während ich darüber nachdachte, kam mir wieder eines meiner geliebten Bilder in den Kopf.

Stell dir vor, du hast jeden Morgen einen vollen Akku für diesen Tag. Von diesem Akku geht Energie an deine Arbeit, an andere Menschen, an Entscheidungen, Termine und all die Dinge, die das Leben eben so mit sich bringt. Manches davon lädt dich gleichzeitig wieder auf. Anderes zieht Energie. Und dann gibt es noch diese Dinge, bei denen wir freiwillig Energie verbrennen, ohne dass sie irgendetwas in unserem Leben besser machen. Wir ärgern uns über Nachrichten, die sind, wie sie sind. Wir beschäftigen uns mit Klatsch und Tratsch. Wir führen Gespräche in unserem Kopf mit Menschen, die gerade nicht einmal im Raum sind. Oder wir machen uns heute schon Sorgen über etwas, das vielleicht niemals passieren wird.

Genau da wurde es für mich interessant. Denn vielleicht geht es gar nicht darum, weniger zu geben. Ich möchte weiterhin alles geben. Auf der Bühne, in meinen Workshops, für Menschen, die ich liebe, und für die Dinge, an die ich glaube. Vielleicht darf ich nur besser darauf achten, wofür ich meine Energie ausgebe. Denn es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Energie, die ich für etwas einsetze, das mir wichtig ist, und Energie, die ich einfach verpuffen lasse.

Deshalb nehme ich aus den vergangenen Tagen etwas sehr Einfaches mit: Ich werde weiterhin alles geben. Und ich werde noch bewusster entscheiden, wer oder was meine Energie überhaupt verdient. Vielleicht magst du dir diese Frage heute auch einmal stellen.

Wofür gibst du gerade Energie aus, obwohl es dein Leben kein bisschen besser macht? Vielleicht sogar für Dinge, die Tausende Kilometer von dir entfernt sind und die du selbst noch gar nicht erlebt hast.

Vor unserer Reise haben wir zum Beispiel von Menschen die wildesten Horrorgeschichten über die Einreise in die USA gehört. „Da kann man nicht mehr hin. Was die alles wissen wollen …“ Wenn du dir solche Geschichten oft genug anhörst, kannst du dir schon Wochen vorher Gedanken über ein Problem machen, das möglicherweise gar keines ist. Im Nachhinein frage ich mich wirklich, wie viele dieser Geschichten überhaupt auf eigenen Erfahrungen beruhen und bei wie vielen das Prinzip „Stille Post“ zum Tragen kam. Denn was wir bei unseren verschiedenen Einreisen erlebt haben, war so einfach und unkompliziert wie selten zuvor in den vergangenen 30 Jahren, in denen ich in die USA reise.

Und genau das meine ich. Wie viel unserer wertvollen Energie geben wir für Dinge aus, die vielleicht ausschließlich in unseren Gedanken existieren? 

Vielleicht darfst du genau an solchen Stellen ein bisschen Energie sparen und sie stattdessen dort einsetzen, wo sie dir und den Menschen, die dir wichtig sind, wirklich etwas bringt.

Mein Körper hat sich jetzt jedenfalls seine Pause genommen. Offensichtlich war er in diesem Punkt konsequenter als ich.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine wunderschöne Woche. Pass gut auf dich und deine Energie auf.