„What if God was one of us? Just a slob like one of us...“ Gerade summe ich das Lied „One of Us“ von Joan Osborne vor mich hin. Kennst du das Lied? Denn geschrieben hat es nicht Joan, sondern Eric Bazilian, der Sänger und Gitarrist der Hooters. Eric war 2022 beim großen PUR and friends Konzert auf Schalke mit dabei. Was für ein Abend. Besonders, weil ich mit meinem lieben Freund Rüdi dort war. Und wenn ich mit Rüdi unterwegs bin, dann wird sowieso gerne mal über Gott und die Welt gesprochen. Oder über Hartmut und Rüdi´s Lied.
Apropos Gott ...
In „One of Us“ geht es um eine faszinierende Frage: Was wäre, wenn Gott einer von uns wäre? Wenn er einfach ganz normal in deiner Straße lebt und ihn keiner (er)kennt. Das erinnert mich gerade an die Geschichte vom reichsten Mann der Welt. Stell dir vor, der reichste Mann der Welt lässt verkünden, dass er einem einzigen Menschen alle Wünsche erfüllen wird. Egal was - alles, was sich dieser Mensch wünscht, würde er bekommen.
Nehmen wir an, du wärst einer von zehn Menschen, die an diesem Wettbewerb teilnehmen. Und in einem Monat würde dann der Gewinner bekannt gegeben. Und jetzt kommt der Kracher. Der reichste Mann der Welt verrät dir ein Geheimnis, welches die anderen Teilnehmer nicht kennen.
„Ab morgen ist JEDER Mensch, dem du begegnest, in Wahrheit der reichste Mann der Welt. Verkleidet. In einer anderen Rolle. Wie ein Schauspieler, der jeden Tag ein neues Kostüm anzieht.“
Heißt, der freundliche Nachbar = Der reichste Mann der Welt. Und auch die gestresste Verkäuferin, die dich gerade ziemlich unfreundlich bedient hat = Der reichste Mann der Welt. Auch dein Kollege, der dich regelmäßig auf die Palme bringt = Ebenfalls der reichste Mann der Welt. Und sogar der Mensch, der dir scheinbar gar nicht auffällt, weil du mit Blick aufs Handy an ihm vorbeigehst = auch der reichste Mann der Welt. Dieser Mann beobachtet nun für einen Monat ganz genau, wie du mit ihm umgehst. Bist du freundlich zu ihm? Zeigst du Mitgefühl, Respekt oder lässt du ihn einfach links liegen?
Da du die Gewinnerregel kennst, wäre die Aufgabe ja ziemlich einfach: Du müsstest wirklich jedem Menschen, dem du begegnest, freundlich begegnen. Denn nur so kannst du den Wettbewerb gewinnen. Mit diesem Wissen, was würdest du ab sofort anders machen? Vielleicht würdest du die Verkäuferin trotz ihrer schlechten Laune anlächeln. Und dem Kollegen zuhören, anstatt dagegenzuhalten?
Und was wäre mit den Menschen, die dir scheinbar überhaupt nicht auffallen bzw. die dir „nichts bringen“ und du sie deshalb nicht beachtest? Ich finde den Gedanken super spannend. Denn plötzlich ist jeder Mensch wichtig. JEDER.
Das erinnert mich an eine Idee von Bob Proctor, die ich gerne in meinen Vorträgen weitergebe. Stell dir vor, jeder Mensch, dem du begegnest, trägt einen unsichtbaren Post-it-Zettel auf seiner Stirn. Und darauf stehen nur vier Buchstaben: MMFI (Make Me Feel Important). Gib mir das Gefühl, wichtig zu sein.
Ist das nicht einer der tiefsten Wünsche, die wir Menschen haben? Jeder möchte doch gesehen, gehört und/oder wertgeschätzt werden. Und zwar unabhängig davon, welchen Titel wir auf unserer Visitenkarte stehen haben, wie viel Geld wir verdienen oder wie super unser Leben nach aussen aussieht.
Mein damaliger Chef, Prof. Reinhold Würth, schenkte vor Jahren einer der wundervollen Reinigungskräfte eine Tafel Schokolade. „Danke, dass Sie so eine tolle Arbeit hier machen.“ „Herr Würth, das ist doch nicht nötig“, antwortete sie überrascht. „Ihre Aufgabe ist genauso wichtig, wie die, meines höchsten Geschäftsführers. Nur wenn Sie Ihre Aufgabe gut machen, haben die Kunden einen ersten guten Eindruck und fühlen sich hier willkommen.“
Diese Reinigungskraft war also nicht einfach nur die Frau, die den Boden sauber macht und hält. Sie war und ist ein wichtiger Teil des gesamten Unternehmens. Und genau das hat Prof. Würth ihr mit seiner kleinen Geste gezeigt. Wie oft übersehen wir im Alltag Menschen, deren Arbeit für unseren Erfolg unverzichtbar ist? Wir loben den Verkäufer, der den großen Auftrag nach Hause bringt. Wir feiern den Geschäftsführer, der die committeten Zahlen erreicht.
Aber was ist mit der Kollegin, die jeden Tag die Post verteilt? Mit dem Mitarbeiter im Lager, der dafür sorgt, dass die Ware sicher aus dem Dunkellager an den Verarbeitungsplatz kommt? Oder mit dem Menschen, der jeden Tag still und zuverlässig seine Arbeit erledigt, ohne ein großes Tamtam daraus zu machen?
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben guter Führung. Menschen nicht nur nach ihrer Position zu beurteilen, sondern ihre eigentliche Leistung zu erkennen und wertzuschätzen. Und Wertschätzung heisst nicht ständig mit Komplimenten um sich zu werfen oder jedem nach dem Mund zu reden. Sondern andere wirklich wahrzunehmen.
Ach, da war doch noch die Geschichte mit dem reichsten Mann der Welt.
Was würde passieren, wenn du dir den MMFI Post It auf der Stirn aller Menschen vorstellen würdest und du alle Menschen gleich gut behandeln würdest? Könnte es dann sein, dass du dadurch viel mehr von dem in dein Leben einlädst, was du dir selbst von anderen Menschen wünschst? Saat und Ernte. Gesetz der Anziehung. Nenne es, wie du es magst. Oder wie Ernest Holmes es so schön formuliert: “Wenn die Zeit kommt, wo nichts mehr von dir ausgeht als das, was du gerne zurückbekommen würdest, dann wirst du deinen Himmel erreicht haben.“
