Stellen Sie sich vor, es ist Montagmorgen. Ein wichtiger Kunde hat abgesagt, die Zahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück und ein Projekt, auf das Sie gesetzt haben, steht plötzlich auf der Kippe. In wenigen Minuten beginnt Ihre Teambesprechung. Sie haben selbst noch keine fertige Lösung. Trotzdem schauen gleich alle auf Sie.
Was sagen Sie? „Wir schaffen das schon“ klingt freundlich. Aber wenn niemand weiß, was sich daraus für den heutigen Arbeitstag ergibt, bleibt es ein Satz. Gerade in unsicheren Zeiten braucht Ihr Team mehr als Zuversicht. Es braucht Orientierung. Und die beginnt damit, dass Sie sich selbst sortieren, bevor Sie andere führen.
Bevor Sie Ihr Team führen, führen Sie sich selbst
Vielleicht kennen Sie diesen Moment: Eine schlechte Nachricht kommt herein und plötzlich wirkt jedes Problem größer als noch vor einer Stunde. Eine Rückfrage nervt. Eine Verzögerung fühlt sich wie fehlender Einsatz an. Sie sprechen schneller, hören weniger zu und möchten am liebsten sofort alles kontrollieren.
Deshalb lohnt sich vor dem nächsten Gespräch eine ehrliche Frage: Was weiß ich tatsächlich – und was male ich mir gerade aus?
Ein abgesagter Auftrag ist eine Tatsache. „Jetzt geht alles den Bach runter“ ist eine Schlussfolgerung. Beides kann sich im ersten Moment gleich wahr anfühlen. Für Ihre nächste Entscheidung macht es jedoch einen großen Unterschied. Wer beides auseinanderhält, kann klarer sprechen und handeln.
Innere Klarheit bedeutet nicht, dass Sie sich keine Sorgen machen dürfen. Sie bedeutet, Ihre Sorgen wahrzunehmen, ohne ihnen jede Entscheidung zu überlassen.
Ehrlichkeit gibt mehr Halt als eine schöne Beruhigung
Sie müssen Ihrem Team keine Sicherheit vorspielen, die Sie selbst nicht haben. Sie können sagen: „Der Auftrag fällt weg. Wir prüfen gerade, was das für unsere Planung bedeutet. Heute entscheiden wir, welche Arbeiten weiterlaufen. Am Donnerstag sprechen wir über den nächsten Stand.“
Damit lösen Sie noch nicht das gesamte Problem. Aber Sie machen deutlich, was bekannt ist, woran gearbeitet wird und wann es weitergeht. Das hilft Menschen, ihre eigene Arbeit einzuordnen.
Sagen Sie auch dann wieder etwas, wenn noch keine endgültige Lösung vorliegt. „Wir haben dazu noch keine Entscheidung“ ist eine ehrliche Information. Wenn Sie erklären, was dafür noch fehlt, wird daraus ein nachvollziehbarer Zwischenstand.
Machen Sie den nächsten Schritt konkret
In einer Krise kann der Wunsch entstehen, gleichzeitig an jeder Stelle nachzubessern. Noch eine Besprechung, noch eine Auswertung, noch ein neues Projekt. Am Ende sind alle beschäftigt, aber niemand weiß, welche Aufgabe gerade Vorrang hat.
Fragen Sie deshalb: Was muss heute entschieden werden, damit wir sinnvoll weiterarbeiten können?
Vielleicht muss ein Liefertermin neu vereinbart werden. Vielleicht braucht ein Mitarbeiter Ihre Entscheidung, um einen Kunden verbindlich zu informieren. Vielleicht sollten Sie ein Vorhaben vorerst anhalten, damit die verfügbare Zeit für das Wichtigste reicht.
Wenn Sie eine Priorität setzen, benennen Sie auch, was warten darf. Ihr Team kann sich auf eine Aufgabe konzentrieren, wenn klar ist, dass es dafür nicht an anderer Stelle einen Vorwurf bekommt.
Bleiben Sie ansprechbar, gerade wenn es eng wird
Wenn jemand in einer Besprechung still bleibt, fragen Sie nach. Hinter dem Schweigen kann Unsicherheit stecken, Überlastung oder eine Beobachtung, die bisher niemand angesprochen hat. Sie erfahren es, wenn Sie dem Menschen Raum geben.
Eine Frage wie „Was brauchst du, damit du diese Aufgabe gut erledigen kannst?“ kann dabei sehr konkret werden. Es geht womöglich um eine fehlende Information, eine klare Zuständigkeit oder eine Entscheidung, die seit Tagen offen ist.
Menschliche Führung und Verbindlichkeit passen zusammen. Sie dürfen Unterstützung anbieten und trotzdem einen Termin vereinbaren. Sie dürfen Verständnis zeigen und trotzdem eine Grenze setzen. Entscheidend ist, dass Ihr Gegenüber weiß, woran es mit Ihnen ist.
Ihr Plan kann wegbrechen. Ihre Haltung bleibt Ihre Entscheidung
Als meine Veranstaltung in der Porsche-Arena zwölf Tage vorher abgesagt wurde, musste ich selbst erleben, wie schnell ein langjähriger Plan wegbrechen kann. Die Geschichte dieses Rückschlags und des anschließenden Kurswechsels erzähle ich in einem eigenen Beitrag.
Für Führung bleibt daraus eine Frage: Wer möchte ich sein, während ich mit dieser Situation umgehe?
Sie können nicht jeden Auftrag retten und nicht jede Entwicklung beeinflussen. Sie können entscheiden, wie Sie zuhören, welche Entscheidungen Sie treffen und welche Verantwortung Sie übernehmen. Genau dort beginnt Selbstführung. Und genau dort entsteht die Orientierung, die andere von Ihnen brauchen.
Wenn Sie diese Haltung in Ihrem Unternehmen stärken möchten, lassen Sie uns über einen Vortrag für Ihre Führungskräfte oder Ihr Team sprechen. Denn innere Klarheit wird im Alltag wirksam: im nächsten Gespräch und in der nächsten Entscheidung.
Foto: Andreas Oertzen
