Diesen Satz hört man in Personalabteilungen gerade vermutlich ziemlich häufig. Und ich kann mir vorstellen, dass manche HR-Verantwortliche dann denken: „Sehr gerne. Sobald ich die Zeit dafür gefunden habe und mir jemand verrät, aus welchem Budget wir das bezahlen.“ In den vergangenen Tagen haben wir hier auf drei Menschen in einem Unternehmen geschaut. Auf den Unternehmer, der versucht, seiner Mannschaft Orientierung zu geben. Auf den Mitarbeiter, der seit Wochen für einen kranken Kollegen einspringt. Und auf die Führungskraft, die zwischen Erwartungen und Möglichkeiten steht.

Heute möchte ich einmal in die Personalabteilung schauen. Stellen wir uns vor, es ist Montagmorgen. Eine neue Krankmeldung liegt im Postfach. Ein Bewerbungsgespräch wurde kurzfristig abgesagt. Eine Führungskraft fragt, wann die offene Stelle endlich besetzt wird. Und dann ist da noch dieser Auszubildende. Drei Wochen war er im Unternehmen. Die ersten Tage liefen gut. Zumindest hatte niemand etwas anderes gehört. Und jetzt erscheint er plötzlich nicht mehr.

Keine Nachricht. Keine Erklärung. Was ist passiert? Hat er gemerkt, dass der Beruf nichts für ihn ist? Gab es Probleme im Team? Ist privat etwas vorgefallen? Niemand weiß es. Und genau deshalb wäre es falsch, sich einfach eine Geschichte darüber auszudenken. Also versucht die Personalabteilung, ihn zu erreichen. Gleichzeitig muss geklärt werden, wie es weitergeht. Währenddessen ruft die Führungskraft an. „Wir brauchen dringend jemanden. Meine Leute laufen langsam auf dem Zahnfleisch.“

HR versteht das. Schließlich liegen die Krankmeldungen ja auf ihrem Tisch. Nur: Woher sollen die zusätzlichen Menschen kommen? Die Bewerbungen sind überschaubar. Gute Kandidaten haben oft mehrere Möglichkeiten. Und die Stellenanzeige, die vor drei Jahren noch wunderbar funktioniert hat, bringt heute vielleicht kaum noch passende Rückmeldungen. Dann kommt die nächste Anfrage. „Könnt ihr nicht mal etwas für die Motivation der Mitarbeiter organisieren?“

Natürlich. Vielleicht ein Workshop. Ein gemeinsamer Teamtag. Etwas, das den Menschen wieder Kraft gibt. Gute Idee. Nur sitzt in der Personalabteilung gerade jemand, der selbst seit Wochen kaum dazu kommt, in Ruhe Mittagspause zu machen. Und plötzlich frage ich mich: Wer kümmert sich eigentlich um die Menschen, die sich um die Menschen kümmern sollen? Denn HR ist in vielen Unternehmen längst weit mehr als Personalverwaltung.

Hier laufen Erwartungen zusammen, die sich manchmal kaum miteinander vereinbaren lassen. Die Geschäftsführung braucht wirtschaftlich tragfähige Lösungen. Die Führungskräfte brauchen Unterstützung. Die Mitarbeiter wünschen sich Sicherheit, Entwicklung und ein offenes Ohr. Und die Personalabteilung soll bitte für alles eine Antwort haben. Am besten gestern. Was mich daran besonders beschäftigt, ist eine kleine Verschiebung in unserer Wahrnehmung.

Wenn ein Mitarbeiter überlastet ist, sprechen wir über Entlastung. Wenn eine Führungskraft überlastet ist, sprechen wir über Prioritäten. Und wenn HR überlastet ist? Dann bekommt HR häufig noch den Auftrag, ein Konzept gegen Überlastung zu entwickeln. Da muss man auch erst einmal draufkommen. Natürlich kann eine gute Personalabteilung viel bewegen. Sie kann Gespräche ermöglichen, Führungskräfte unterstützen und gemeinsam mit der Geschäftsführung Arbeitsbedingungen verbessern.

Aber sie kann keine fehlenden Mitarbeiter herbeizaubern. Und sie kann nicht allein lösen, was im gesamten Unternehmen entstanden ist. Vielleicht sollten wir deshalb bei der nächsten Besprechung nicht nur fragen: „Was kann HR für unsere Mitarbeiter tun?“ Sondern auch: „Was müssen wir als Unternehmen verändern, damit HR und unsere Führungskräfte überhaupt die Möglichkeit haben, sich gut um unsere Menschen zu kümmern?“ Denn Mitarbeiterbindung beginnt nicht mit einem Obstkorb. Und auch nicht mit dem nächsten hübschen Plakat über unsere Unternehmenswerte.

Sie beginnt dort, wo Menschen erleben, dass ihre Situation ernst genommen wird. Das gilt für den Mitarbeiter, der seit Wochen einspringt. Für die Führungskraft, die jeden Tag Entscheidungen unter Druck trifft. Und genauso für die Menschen in der Personalabteilung. Vielleicht sollten wir gerade diejenigen nicht übersehen, von denen wir erwarten, dass sie alle anderen im Blick behalten.

LOOK AGAIN. Schau noch einmal hin.