Was wir von Rüdi lernen können

„Family first“ Sean Patrick Flanery

In meinem Gespräch mit Schauspieler Sean Patrick Flanery (u.a. Dexter) zum Thema „Was ist das Wichtigste, um erfolgreich im Leben zu sein“, teilte er diese Weisheit mit mir.

Seine Augen sind geschlossen, ein Lächeln steht in sein Gesicht geschrieben. Mit beiden Armen hat er mich in einer festen Umarmung. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Er drückt mich nochmals, lächelt mich mit seinem müden Blick ehrlich an. Dann dreht er sich um und verschwindet ins Dunkel des Ludwigsburger Schlosses. Da geht er hin – „Mein Freund Rüdi“ – seit über 15 Jahren ein ganz besonderer Mensch in meinem Leben.

Der Rockstar

Vor einigen Monaten hatte Rüdi sein 40. Konzert mit PUR auf der Bühne. Er stand neben Größen wie Roger Hudgson, Chris de Burgh, Peter Maffay und vielen anderen als Gast gemeinsam mit PUR auf der Bühne. Und Rüdi ist sicher der Einzige, der weder bei 1.000 Menschen, noch bei 65.000 Menschen Lampenfieber vor seinem Auftritt hat. Denn in Rüdis Fokus sind nicht die Zuschauer, sondern die Zeit mit seinem Freund Hartmut Engler, dem Sänger von PUR. Vor über 20 Jahren haben ihm Hartmut und PUR ein Lied gewidmet. Ein Lied namens „Mein Freund Rüdi“.

Team Rüdi

Wenn Rüdi eines der vielen PUR Konzerte besucht, wird an diesem Abend „sein Lied“ mit eingebaut und er darf gemeinsam mit der Band dieses Lied singen. Damit im Vorfeld und vor Ort alles für diesen Moment geregelt ist, kommen sein Betreuer Hanspeter und ich als Rüdis persönlicher Tourmanager, ins Spiel.

Pure Freude

Rüdi ist ein spezieller Mensch. Seit seiner Kindheit teil er sein Leben mit dem Down Syndrom. Das macht ihn in vielen Augen anders. Ja, er ist anders. So wie wir alle anders sind. Was Rüdi jedoch vom Großteil aller abhebt, ist seine ehrliche Freude, die er in dem jeweiligen Moment lebt. Wenn Rüdi Menschen drückt, kommt das von Herzen und er ist zu 100% bei der anderen Person. Hierbei können wir alle sehr viel von Rüdi lernen. Wenn es uns möglich wäre, nur 1% mehr Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit anderen Menschen zu zeigen und dann auch wirklich zu 100% da zu sein, anstatt mit den Gedanken schon beim nächsten Schritt zu hängen, wären viele Momente nachhaltiger. Damit würden wir die Welt bereits massiv ins Positive verändern.

Fokus

Was Rüdi zudem speziell macht, ist sein Fokus. Rüdi ist absolut zielorientiert. Bereits zu Beginn der Fahrt zum Konzert geht es immer um dasselbe. Es erinnert mich fast an eine Ablauf Besprechung. Angefangen wird, wie es seinem Freund Hartmut geht, dass erst gesungen wird und es danach den Sekt mit Hartmut gibt und das wir „mal wieder gehen“ (zum nächsten Konzert). Davon lässt sich Rüdi nicht abbringen. Er hat ein Ziel; auf der Bühne mit seinem Freund Hartmut zu sein. Auf dem Weg zu dem Ziel hängt er nicht stundenlang auf Facebook, an Emails oder auf YouTube fest. Sein Fokus ist klar ausgerichtet. Nach dem Konzert geht es dann im Gespräch mit Hartmut und Bandkollegen in die nächste Runde der Zielsetzung. Zum Beispiel geht es Rüdi dann um das nächste Mal Reiten auf dem PUR „Gaul“ (Pferd), Bassist Joe wird auf der Toilette direkt auf das nächste Mal gemeinsames Harley fahren angesprochen und Daniela aus dem PUR Büro erzählt er mehrere Male, „mir gehen mol wieder“ – auf Hochdeutsch – „wir kommen gerne beim nächsten Mal wieder“.

Fazit

Was lerne ich von Rüdi: Sei fokussiert auf dein Ziel. Lass dich nicht den lieben langen Tag von anderen Menschen oder netten Tätigkeiten ablenken. Belohne dich gerne für eine Zwischenzielerreichung mit 30min Facebook oder was auch immer dir „wichtig“ ist. Aufgrund dieses klaren Ziels hat Rüdi auch kein Lampenfieber. Er fokussiert seine Freude, nicht seine Angst. Möglicherweise hat er durch sein Down Syndrom hier eine Eigenschaft, die diesen ultimativen Vorteil schafft. Denn ein Hauptpunkt, was uns Menschen von unseren Zielen abhält, ist die Angst.

Was er mir auch immer wieder zeigt – lebe im hier und jetzt, wenn du mit anderen Menschen zusammen bist. Wenn du jemanden drückst, dann mache dies ehrlich und zu 100% oder lasse es. Lerne, immer mehr im Moment zu leben, anstatt dauernd auf die Uhr zu schauen und gedanklich schon drei Schritte weiter zu sein.

Über den Autor:

„Wenn Mitarbeiter ihre Fähigkeiten und Leidenschaft nutzen, um gemeinsam am Unternehmenserfolg zu arbeiten, werden Kunden zu Fans und Ihr Umsatz explodiert.“ Norman Gräter

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